Dispokredit – Die einfache Schuldenfalle

Ein Girokonto besitzt  jeder. Aber wissen Sie auch wie hoch Ihr Dispokredit ist? Warum ein hoher Dispokredit der Anfang einer Schuldenfalle sein kann!

 

Dispokredit - Die einfache Schuldenfalle

 

Das Girokonto mal eben ein klein wenig überziehen um noch eine wichtige (oder auch unwichtige) Investition zu tätigen. Ich denke, dass hat fast jeder schon einmal gemacht. Es ist aber auch so einfach seinen Dispokredit auszunutzen (so wird die Kontoüberziehung genannt) den einem die Bank gewährt. Ist es nur eine kleine Summe die schnell wieder ausgeglichen wird, sollte das auch kein Problem darstellen. Problematischer wird die ganze Sache, wenn dauerhaft mit dem Dispokredit gelebt wird. Warum das so ist und welche Maßnahmen dagegen helfen können würde ich gerne in den folgenden Absätzen erläutern.




Dispokredit – was ist das eigentlich?

Ein Dispokredit wird auch sehr oft Überziehungskredit oder auch Dispositionskredit genannt. Diesen Kredit bekommt ein Darlehensnehmer auf seinem Girokonto eingeräumt, welches er jederzeit flexibel nutzen kann. Die Höhe des eingeräumten Kredits wird meist an der Höhe der jeweiligen monatlichen Geldmenge festgemacht und kann bis zum dreifachen davon betragen. Ein Dispokredit ist in der Regel nicht zeitlich begrenzt. Wie bei jedem Kredit fallen auch bei dem Dispokredit Zinsen an, die an die Bank gezahlt werden müssen.

Diese Zinsen sind in der Höhe von Bank zu Bank sehr unterschiedlich, gehören aber meistens zu den teuersten Zinsen die für Verbraucherkredite zu zahlen sind. Zinsen die über 10 Prozent liegen, sind auch in Niedrigzinsphasen immer noch keine Seltenheit.

 

 

Dispokredtit – warum werden so hohe Zinsen verlangt?

Da die Höhe der Zinsen in der Öffentlichkeit ein stark diskutiertes Thema ist, haben die Banken eine Reihe von Argumenten parat, warum die Zinsen für einen Dispokredit so viel höher sind als z.b ein Ratenkredit. Einen kleinen Auszug der Argumente habe ich mal zusammengestellt:

  • Da der Verbraucher jederzeit über den vereinbarten Kreditrahmen verfügen kann, ist es für die Banken schwer zu planen wie viel Geld sie für diese Kredite bereithalten müssen
  • Der vereinbarte Kreditrahmen muss von der Bank parat gehalten werden, auch wenn der Kunde diesen gar nicht nutzt. Mit diesem Geld kann die Bank nicht arbeiten und anderweitig Geld verdienen.
  • Seit der Finanzkrise sind die regulatorischen Anforderungen an die Bank gestiegen, was zu erheblichem Mehraufwand führt.
  • Auch eine Folge der Finanzkrise ist , dass die Banken für Dispokredite Eigenkapital hinterlegen müssen.
  • Die hohe Flexibilität für den Verbraucher führt zu höheren Verwaltungskosten die sich zum Teil aus Risikoprämie, Refinanzierungskosten, Eigenkapitalkosten usw. zusammensetzen.
  • Zudem wird aus allen Dispokrediten die Ausfallwahrscheinlichkeit errechnet, da allen Kunden der gleiche Zinssatz angeboten wird. Beim Ratenkredit beispielsweise wird der Zinssatz etwas individueller mithilfe der Bonität des Kreditnehmers angepasst.

Das sind nur einige Gründe warum die Banken einen hohen Zinssatz für einen Dispokredit verlangen müssen. Ob Sie das auch so sehen, müssen Sie für sich entscheiden.

 

 

Dispokredit – welche Gefahren lauern dort?

Hat man sich einmal an ein Leben im Dispo gewöhnt, fällt es vielen Menschen schwer dort wieder herauszukommen. Ich würde sogar sagen, dass diese Leute ihre Ausgaben und Einnahmen nicht mehr im Griff haben. In der Regel wird am Anfang des Monats durch das Gehalt und andere Einnahmen der Dispo wieder ausgeglichen, aber am Ende des Monats ist der alte Stand wieder erreicht. Das Böse erwachen folgt dann im Folgemonat wenn die Dispozinsen fällig werden.

Eine weitere Gefahr ist, dass die Bank jederzeit die Rückzahlung des Kredites verlangen kann. Dieses muss zwar für den Verbraucher in einer angemessenen Frist geschehen, kann aber dann sehr schnell zu großen Problemen führen. Diese Rückzahlungen verlangen Banken recht häufig, wenn es zu Verschlechterungen der Geldeingänge kommt (z.B durch geringeres Einkommen).

 

 

Dispokredit – kennen Sie ihre Dispozinsen?

Laut einer FORSA Umfrage 2016 bei 1.000 Kreditnehmern die mir die SMAVA AG zur Verfügung stellte, kannten 42 % ihren Dispozins nicht. Fast die Hälfte aller befragten wussten also nicht wie hoch der Zinssatz ist den ihre Bank verlangt.  Meiner Meinung nach ist dies ein großer Vorteil der Banken. So können sie ja fast alles verlangen, weil es scheinbar der Hälfte von uns egal ist.

Aus der Umfrage kam zudem heraus, dass besonders junge Menschen (19-39 Jahre) die Höhe der Dispozinsen nicht kannten. Dort sind es sogar 53 Prozent. Sehr interessant fand ich auch, dass 50 Prozent der Menschen mit niedrigem Einkommen (unter 1.500 Euro) nicht wussten wie hoch der Zinssatz ist. Gerade dort sollte man meinen, dass jeder Euro gespart werden muss.

Seien Sie ehrlich, kennen Sie die Höhe Ihrer Dispozinsen?

 

 

Dispokredit – was kann ich gegen hohe Dispozinsen tun?

Ist man sich über die Höhe der Dispozinsen im klaren und der Dispokredit wird nie oder selten benutzt, kann man sich auf dem Markt umschauen und zu einer Bank wechseln die niedrigere Zinsen fordert. Wird der Dispo aber schon seit Jahren ausgenutzt wird diese Möglichkeit schwieriger.

Folgende Möglichkeiten gibt es dann nur noch um aus dem Dispokredit mit hohen Zinsen herauszukommen:

  • Die beste Möglichkeit ist natürlich langsam durch Sparen oder Mehreinnahmen den Dispokredit zu verkleinern, bis er möglichst auf null ist.
  • Ist das nicht möglich sollte versucht werden den teuren Dispokredit durch einen günstigeren Rahmenkredit oder Ratenkredit abzulösen. Damit lässt sich viel Geld sparen was folgendes Rechenbeispiel zeigt:

Ein Girokontonutzer ist 6 Monate mit 1.500 Euro im Dispo. Der Dispozins beträgt in diesem Fall 12% was ihm somit jeden Monat 15 Euro an Zinsen kostet. Nach 6 Monaten haben sich so die Zinskosten auf 90 Euro summiert.

Wird nun der Dispokredit in einen Kleinkredit von 1.500 zu einem Zinssatz von 0,99 % umgewandelt würde er  bei einer Laufzeit von 36 Monaten 61,10 Euro sparen. Dieser Kredit würde trotz der langen Laufzeit nur 22,90 Euro kosten

Das Beispiel zeigt, dass es sich sehr schnell lohnen kann einen dauerhaften Dispokredit in einen Ratenkredit umzuwandeln.

  • Eine weitere Möglichkeit wäre eine vorhandene Lebensversicherung zu beleihen und damit den Kredit abzulösen. Dies ist aber eher ein Sonderfall, weil es erst mal eine Lebensversicherung voraussetzt, die beliehen werden kann. In der Regel ist die Lebensversicherung aber für andere Dinge angespart worden. Ich wollte aber diese Möglichkeit auch erwähnen.

Dispokredit – Fazit

Ich fand es schon sehr erstaunlich, dass knapp die Hälfte der befragten nicht wusste wie hoch ihre Dispozinsen sind. Ich denke, weil viele davon ausgehen den Dispokredit nur kurz oder gar nicht zu benutzen, wird es schon nicht so wichtig sein. Die paar Euro die es kostet!! Die Banken freut es und wenn die Schuldenfalle einmal zugeschnappt hat  wird es umso schwieriger da wieder herauszukommen.

Mich würde interessieren wie meine Leser mit dem Thema der Dispozinsen umgehen. Wussten Sie die Höhe? Ich würde mich über Eure Kommentare freuen.

1 Antwort
  1. Martin B.
    Martin B. says:

    Ich (Alter: 38) habe auch keine Ahnung wie hoch mein Dispo-Rahmen oder der Zins dafür ist – und es ist mir auch sowas von egal…

    Wenn man nach der Regel „Dispo? Nein!“ lebt, dann muss man das aber auch gar nicht wissen.

    Ich versuche einfach immer genug Geld auf dem Giro zu lassen damit ich auch dann nicht ins Minus rutsche, wenn ich mal an eine Abbuchung (oder zwei) nicht gedacht habe.
    Die gegenüber dem Tagesgeld dadurch entgangenen Zinseinnahmen sind ja letztendlich auch ein Klacks gegen die Zinskosten wenn man sein Konto mal überzieht.

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